11 Dezember 2013

monster dressur: wenn man sich selbst im weg steht...



dann ist da einer zuviel. und wer ist der andere? 



eigentlich könnte das leben so einfach sein, so chillig und entspannt. man ist gesund, hat ein dach über dem kopf – und im kühlschrank sieht es ebenfalls nicht wie im magen so manch eines magermodels aus.



eigentlich.



und dennoch scheint es manchmal so, als wäre dieses „leben“ eine – sorry - bitch, die hoch erhobenen hauptes an einem vorbeigeht und es einen nicht mal mit dem a*** anschaut. was bleibt sind frustrationsgefühle und der wunsch, sich wie jean-baptiste grenouille (ihr wisst schon, dieser verrückte nasentyp aus „das parfüm“) tief in einer höhle zu verbuddeln und vor sich hin zu vegetieren.



von zeit zu zeit surfe ich auf euphorischen wellen. dann ist der kopf in den wolken, den gründungs-phantasien keine grenzen gesetzt: dann schreibe ich mal namhafte magazine an und versuche, die chefs durch geistreiche exposés für eine zusammenarbeit zu überreden. mal mische ich mich unter bestseller-autoren und führe gespräche à la "in welchem verlag hast du veröffentlicht?ja, ich überlege, wie ich die dunklen seelenabgründe meiner protagonistin menschlich erscheinen lassen kann". mal schreibe ich, nachdem ich erneut auf leere räume "zum vermieten" gestossen bin, konzepte zu eigenem bio-regional-fair- café/hippen-bohemian-vintage-laden oder künstler-treff.

genauso die entstehung dieses blogs.
eines tages hab ich die blogosphäre entdeckt. und war feuer und flamme geworden.
ein blog - das ist es, dachte ich. ist doch die gelegenheit, mich kreativ auszutoben, meine meinung kundzutun über dinge, die mich interessieren und aus meiner sicht auch andere zu interessieren haben. jeder hat das recht auf meine meinung. nicht umsonst habe ich mich dem medienberuf verschrieben.

ein eigener blog – das ist auch die gelegenheit, einfach all die tollen sachen aus dem internet zu sammeln und sie wie diese kleinen bunten toten schmetterlinge und insekten in schaukästen zu pinnen - musiker, models, künstler. und diese stilvoll eingerichteten wohnräume (die sich allerdings auch wirklich nur dafür eignen – um sie anzuschauen und nicht um darin zu wohnen).



hier im blog bin ich mein eigener chef, kann schreiben was ich will, und vor allem wann und wie ich will, ganz ohne vorgaben, ohne zwang, ohne deadline. von anfang an unabhängig und frei. genau mein ding. so machte ich mich ans bloggründen, total euphorisch und optimistisch.


und dann habe ich nicht aufgepasst. surft man auf der welle und passt nicht auf, dann gibt's nur noch einen weg: steil bergab. plötzlich war ich apathisch, der kopf blockiert, die muse verabschiedete sich unsanft (wahrscheinlich in die karibik, ich hätte es an ihrer stelle getan). diagnose meines arztes war eindeutig: zu viele gedanken. 

ich nenne sie mal so, wie sie sind - als kleine hinterlistige monster. es sind furchtbare garstige biester. und sie sind viele. nun habe ich eine sehr lange zeit mit ihnen verbracht, sie beobachtet, sie studiert und klassifiziert. was dabei herauskam, ist dies:


meine persönliche monster-horror-show

copy: maria herz



die zukunftsangst*monster


sie suggerierten mir, meine zeit doch nicht mit etwas vergeuden, was spass macht – hierfür schreiben etwa. oder es mir schön gemütlich zu machen mit einem heißen wunschpunsch, selbstgebackenen glückskeksen und von fremden omas liebevoll gestrickten wollsocken. lieber sollte ich meine zeit damit verbringen, existenzängste zu haben und pflichtbewusst sinnlose bewerbungen zu schreiben 

  • an firmen, die eh nur deshalb stellenanzeigen schalten, um der konkurrenz zu beweisen, dass sie erfolgreich sind und expandieren
  • an tageszeitungs-redaktionen, nur um als antwort zu bekommen, man könne mir - einer praktizierenden(!) freien journalistin mit kulturwissenschaftlicher (fach-)expertise - zwar nichts neues beibringen, dennoch wolle man meine journalistischen fähigkeiten und mein idealistisches engagement zunächst in einem unbezahlten vollzeitpraktikum ausbeuten
  • an junge (aber auch schon lange zeit existierende) magazin-redaktionen, die sich zwar riesig über das interesse freuen und scharf auf meine texte sind (so um die 30.000 zeichen), die aber „leider“ nicht honorieren
  • an organisationen und ministerien, nur um über umwege zu erfahren, dass die stelle schon längst intern besetzt und nur „pro forma“ ausgeschrieben wurde

copy: maria herz


die neidisch*monster


egal wohin man blickt: überall wimmelt es nur so von „erfolgstories“. da wird ein neues trendiges café eröffnet, ein cooler vintage-laden, oder ein neues kultur-magazin erscheint.

tagein, tagaus kleb(t)en meine augen am bildschirm, steckte meine nase in zeitungen und zeitschriften. und während ich las, hockten meine monster gemütlich in meinem kopf, fraßen popcorn und laberten mir die ohren ab. so nach dem motto: „du bist du. und die sind die. an deiner stelle wäre ich lieber die.“ irgenwann glaubt man denen und fragt sich, warum die anderen auf ihren erfolgswellen surfen, während man selbst den gürtel eng schnallen und sich an jedem verdammten monatsende von kartoffeln mit ei ernähren muss. 
copy: maria herz

 


die selbstwertzerstören*monster


die sind von der allerfiesesten sorte. sie arbeiten ununterbrochen daran, dich und dein ich-verständnis zu dekonstruieren, es mit zweifeln und unsicherheitsgefühlen vollzustopfen, sodass du am schluss gar nicht mehr weißt, wer du bist und ob was-auch-immer-du-gerade-vorhast-zu-verwirklichen wirklich eine gute idee ist...

sie schauen dich argwöhnisch an und fragen skeptisch: „bist du dir wirklich sicher, dass du das tun willst? ist es auch wirklich die richtige entscheidung? kannst du es? willst du es nicht viellelicht doch mal überlegen, mal drüber schlafen vielleicht, so ein zwei jahre?“
copy: maria herz


mein leben mit ohne monster


ja, das sind sie – meine monster. sie sind da, sie winken mir zu, essen meine kekse weg und trinken meinen wunschpunsch leer. was bleibt sind krümmel, rote flecken – und das gefühl, das irgendwas im leben entschieden falsch läuft.

nachdem ich mich eine gefühlt ewig lange zeit erfolgreich gegen den weisen rat von einer weisen frau gewehrt hatte, habe ich nun doch nachgegeben – nennt es erschöpfung, eingebung, schicksal. mein emotionaler zustand machte dies schlichtweg notwendig. also habe ich dieses eine buch gelesen - „neue erde“ von dem tollen eckhart tolle.


tolle erklärt darin: die gedanken, diese monster (oder treffender: monstergedanken): jeder hat sie, und jeder wird, wenn er nicht aufpasst, ihr opfer. und warum? weil sie gerissen sind – sie lassen dich nämlich glauben, dass du sie bist.
was nicht stimmt. 

tolle weiß, wovon er spricht, schließlich musste er fast mit seinem leben bezahlen, um zu dieser erkenntnis zu gelangen:



du bist nicht deine gedanken“




die gedanken und du sind nicht identisch.
du bist nicht die gedanken - du hast gedanken.
das bedeutet, dass du sie jederzeit von dir abtrennen kannst. du kannst sie aus einer sicheren distanz beobachten...und sie einfach, wenn sie dir nicht gut tun, auch mal einfach zur seite schieben. 

eine erkenntnis, die eigentlich nicht neu zu sein scheint - und dennoch haut sie einen aus den socken.   


und jetzt, da ich es nun schwarz auf weiß stehen sah, fühle ich mich schlauer. existenzängste, komplexe, zweifel - ich beobachte sie, und ab und zu erkenne ich sie sogar als das, was sie sind - nämlich nicht ICH.  

das leben fühlt sich besser an. ich fühle mich besser. 

präsenter. lebendiger. hier-und-jetziger. auf einmal ist die welt bunt und voller lebendiger momente und das „gute leben“ entpuppte sich als ein fröhliches busenweib.


natürlich ist man nicht vollends immun gegen seine gedanken. denken ist eine menschliche angwohnheit. und manchmal eine schlechte noch dazu. aber man kann lernen, sich vom denken zu distanzieren. wenn man das schafft, dann ist sie plötzlich da - diese wundervolle stille. heile welt. popcorn und confetti. soundtrack. die gegenwart.   


die monster sind zwar immer noch da – aber da ich von deren existenz weiß, bin ich in der lage, sie in schach zu halten. und nicht umgekehrt. 

das tolle ist: ich habe endlich zeit, mich dingen zu widmen, die wirklich wichtiger sind, als zukunftssorgen.
dem leben selbst. 

und meinen künstlerischen projekten, die sich zugegebenermaßen meist in schriftlicher und visueller form materialisieren.

dann bin ich auch so ein träumendes schreib-mädchen. 

copy: maria herz

die bilder hier hat übrigens meine schwester maria gemacht. glaskunst-mädchen und freischaffende künstlerin. vielleicht ist es erblich. und vielleicht sind wir auch nicht zu retten, wenn wir glauben, als wortkünstlerin und glas-künstlerin haus, auto, multimediageräte und cocktails in der karibik finanzieren zu können. aber es heißt ja auch nicht umsonst: die hoffnung stirbt zuletzt.




05 Dezember 2013

Didgeridoo-DJ für den Weltfrieden - Xavier Rudd


Er ist Singersongwriter, Multi-Instrumentalist und Friedensaktivist in Einem: Der "Sexiest Vegetarian Singer" Xavier Rudd hat, obwohl er in seiner Heimat Australien und in Kanada ein bekannter Celebrity ist und große Bühnen gewohnt ist, dennoch an seine Fans in Deutschland gedacht und im Sommer in Frankfurt ein Konzert gegeben. Ich war in meiner Funktion als Stuz-Autorin unterwegs. Und das kam dann dabei heraus: 

"Didgeridoo-DJ für den Weltfrieden"

Die Themen Gerechtigkeit und Umweltschutz hat er sich ganz groß auf die Fahnen geschrieben: Xavier Rudd ist ein Friedenskämpfer. Nur ist seine Waffe die Musik. Aufgewachsen im südaustralischen Torquay, Victoria, entdeckt er mit 20 Jahren seine Faszination für Folk, Reggae, Rock und Weltmusik und beginnt seine musikalische Laufbahn. Insbesondere das Didgeridoo, das traditionelle Musikinstrument der indigenen Ureinwohner Australiens, hat es ihm angetan. Die Musik wird zu seinem Sprachrohr, durch welches der überzeugte Vegetarier und Friedensaktivist das ausspricht, was ihn bewegt: Gesellschaftliche und soziale Missstände, die er etwa bei den australischen Ureinwohnern erlebt und denen er sich sehr verbunden fühlt. Oder aber spirituelle Begebenheiten. Auch das Thema Freiheit spielt eine große Rolle. Seine Erfahrungen und Empfindungen spiegeln sich in recht pittoresken Songtiteln wie „Food in the Belly“, „Culture Bleeding“, „Land Rights“, oder „Spirit Bird“.

/q: xavierrudd.com/
Auch wenn er in seinen Liedern Messages transportiert, die zum Nachdenken anregen und nicht ungehört werden dürfen, weiß er diese musikalisch und poetisch wunderbar zu verpacken – und wohl auch deswegen hallen sie noch lange im Kopf nach. Dafür sorgt der Multi-Instrumentalist nicht nur mit seiner ruhigen melodischen Stimme, sondern durch sein fulminantes Zusammenspiel aus Didgeridoo, Gitarren, Stomp Box, Mundharmonika und vielen anderen indigenen Instrumenten.

Das Konzert

In der JugendKulturKirche sankt peter, wo der Globetrotter eines seiner zwei Deutschlandkonzerte gibt, wartet das Publikum schon gespannt auf seinen Auftritt. Die meisten kennen ihn von ihren Australienreisen. Und freuen sich, ihren "Star" wieder zu sehen. Offenbar versteht er, sich in die Herzen der Fans zu spielen.

Angenehm überraschend ist die „Vorband“: Yeshe ist ein musikalischer Nomade und ebenfalls jemand, der sich zu "exotischen" Instrumenten hingezogen fühlt. Vor über 30 Jahren verließ er seine deutsche Heimat, seitdem ist sein Zuhause "mal hier, mal da" - und überall, wohin er kommt, holt er sich musikalische Inspirationen in lokaler Musik und lokalen Instrumenten.  



Als Xavier Rudd auf die Bühne kommt – lässig in Jeans und T-Shirt, wilde Lockenhaare mit Haarband notdürftig gezähmt, verschmitzes Lächeln, und natürlich barfüßig (Markenzeichen!) - ist die Atmosphäre bereits aufgeladen. 

Und dann geht's los: Schon der fulminante Didgeridoo-Schlagzeug-Intro erfüllt den Raum mit einer Energie, fast unheimlich, die sich bei manchen Besuchern fast unmittelbar in einem ekstatischen Tanz manifestiert. Eine ganze Weile spielt Zeit keine Rolle. Mal ruhige, mal schnelle Songs wechseln sich harmonisch mit Instrumentalmusik ab. Und diese hat es in sich! Die Menschen schließen ihre Augen, tanzen - sind offenbar nicht da, entrückt. Es könnte auch Disco sein, mit Xavier als DJ. Manche entledigen sich ihrer Schuhe, sind barfüßig, wie der Sänger selbst. Ist klar, denn was soll die Energie in Schuhen? Sie muss fließen!

Beispiel gefälligst?



Das Danach

Und dann: ist es vorbei.
Xavier bedankt sich, verlässt tanzend die Bühne. Nicht jeder geht sofort nach Hause. Manche bleiben, um ein wenig weiter zu tanzen, andere suchen noch den Weg zurück in die Realität, finden das Konzert „intensiv“ und „magisch“, fühlen sich "energiegeladen". In der Tat – eine Form von Energie ist in dieser Zeit entstanden und ist spürbar im Raum zurück geblieben. Wo die wohl herkommt? Xavier weiß es: „Großartige Menschen kommen zu meinen Auftritten und sie bringen jene Energie mit, die mich jedes Mal durchdringt." Eine Win-Win-Situation.  

http://www.xavierrudd.com/


04 Dezember 2013

Wachkoma und Bürokratie verträgt sich nicht gut

Heute war der Internationale Tag der Menschen mit Behinderung.

Um der Öffentlichkeit ins Bewusstsein zu rufen, dass noch immer, trotz offen zur Schau getragener Toleranz und allseits propagierten Hilfsbereitschaft die Probleme von Menschen mit Behinderungen nicht weniger geworden sind.

Ist das Motto "Liebe deinen Nächsten" wohl doch nicht so selbstverständlich und inhärent auf den Leib geschneidert?

Anscheinend nicht.

Aktuelles Beispiel aus Deutschland:
Da soll dem kleinen Jungen Dylan, der im Wachkoma liegt, sein bester Freund, der Kampfhund Tascha weggenommen werden.
Und warum? Weil in Brandenburg die Haltung von Kampfhunden verboten ist!
Ist das zu fassen???



Und es sah wohl danach aus, dass das Ordnungsamt es eiskalt durchgezogen hätte, wäre die Familie nicht auf die Barrikaden gegangen und knapp 200.000 Facebook-Mitglieder mobilisiert, eine Petition dagegen zu unterschrieben.
Nun ist der Hund offiziell bei einem Verwandten in Berlin gemeldet - und jetzt ist alles in Ordnung. Der Hund darf bleiben.

Nicht Menschlichkeit hat hier gewaltet, sondern die geschickt durchgeführte bürokratische Lösung.
So hat es zumindest bei mir den Anschein.

Der von den Vereinten Nationen ausgerufener Gedenk- und Aktionstag soll uns also ins Bewusstsein rufen, dass wir noch einen weiten Weg gehen müssen, bis ALLE Menschen ein gleichberechtigtes Leben in Würde leben können.

Na dann, auf ...